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Der Traum

Der Traum

Ein Traum. Nur ein Traum. Es ist nur ein Traum. Es ist nur ein Traum, der mich seit Wochen verfolgt. Ein Traum. Ich träumte von ihr. Doch ich kenne sie nicht. Ich will sie kennenlernen. Doch gibt es sie überhaupt? Und wenn es sie gibt, will sie auch mich kennenlernen? Seit für mich unzählbaren Tagen lebe ich für meinen Tagtraum. Ich will träumen. In meinem Traum gefangen sein. Doch nur die Erinnerung an den Rausch des Glücks in meinem Traum ist mir geblieben. Das Bild von ihr.

Wenn ich auf der Arbeit die hereinkommenden Anträge bearbeite, dann denke ich an sie. Es ist immer die gleiche Bearbeitungsfloskel; ich habe genug Zeit zum Träumen und um gleichzeitig zu arbeiten - der Vorteil eines ordentlich bezahlten Jobs, der im Endeffekt nur einen Automatismus darstellt. Jedenfalls - ich arbeite und träume. Ich gehe nach Hause und träume. Ich bin zu Hause und träume. Und ich gehe weg - und träume. Nicht ein Traum wie im Schlaf. Ich träume vor mich hin. Ich will meinen Traum wiederträumen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto verschwommener wird er.

Ich will sie kennen, ich will sie sehn, wohin muss ich nur gehn...

Ich bin doch eigentlich noch jung und sehe ganz annehmbar aus. Doch ich träume lieber. Der Bann fängt mich.

Die Fetzen, an die ich mich erinnern kann, umklammern mich. Es werden immer weniger Traumbilder. Stück für Stück zerplatzen sie wie Seifenblasen. Aber die, die mir verblieben sind, will ich sehen. Ich will SIE sehen. Ich sehe sie, wie sie auf mich zukommt und mich küsst. Ich sehe sie, wie sie mir Worte ins Gesicht haucht. Ich spüre die größte Liebe, die ich je verspürt habe. Noch nie war ich so verliebt, doch dabei war es nur ein Traum. Ich will ihn wieder träumen. Würde ich sogar dafür sterben, den Traum wieder zu träumen?

Ich sitze in einem Klappstuhl auf meinem Balkon. Ich fühle mich, als ob ich nicht ohne ihr leben kann. Doch mit jedem Tag, der vergeht, stirbt ein Teil von ihr. An immer weniger erinnere ich mich.

Alle anderen Frauen sind mir egal. Ich will nur sie. Ich bin gefangen. Die letzten Nächte habe ich nicht geträumt und wenn, dann nur irgendetwas Belangloses.

Was muss ich nur tun?

Am nächsten Tag steige ich in mein Auto. Ich will keine Musik mehr hören, ich will nur sie hören, doch höre ich sie nicht.

Ich fahre auf die Arbeit, wie jeden Tag. Parke es. Steige aus. Nehme den Aufzug in meinen Stock. Ich rede mit meinen Kollegen. Doch alles ist mir so fern. So fern. Nur sie soll nah sein, doch sie ist es nicht.

Ich esse Mittag, ich lache über Witze meiner vertrautesten Kollegen, doch innerlich sterbe ich mit jedem Tag, an dem ich sie nicht sehe. Sie nicht höre. Sie nicht fühle. Und dabei kenne ich sie doch gar nicht. Sie ist nur ein Traum.

Das ist keine Geschichte mit einem Happy End, denke ich mir. Ich will mit Gedanken spielen, doch kann mich kaum mehr an sie erinnern. Ich setze mich nach der Arbeit hin und will alles über sie niederschreiben, was ich weiß. Doch ich kann mich an nichts mehr erinnern. Sehe sie verschwommen vor mir stehen. Ich spüre mein Herz schneller schlagen, ich spüre die Liebe. Doch in Wirklichkeit - sitze ich nur da. Meine Illusion bringt mich um, bringt mich um mein Leben, Stück für Stück. Tag für Tag.

Stunden sitze ich da und versuche mich zu erinnern. Ich bin alleine und warte. Ich weiß nicht warum ich warte. Und da kommt sie näher in meinem Gedanken. Ich sehe nicht mehr wie sie aussieht. Ich weiß nicht mehr, wie sie sich anfühlt.

Draußen regnet es. Ich kann nicht hier drin bleiben, ich sterbe innerlich.

Ich gehe nach draußen. Wie aus Eimern giest der Regen auf mich hernieder. Als ob er jede Erinnerung wegwäscht spüre ich die kalte Luft um mich herum. Es war nur ein Traum, es ist alles nur ein Traum, sage ich mir. Nur deine Illusion. Dein Wunsch. Ja, mein Wunsch, der größte Wunsch, den ich je gehabt haben werde. Kalt läuft das Wasser unter meinen Klamotten über den Körper. Ich sehe sie nicht mehr, nicht einmal mehr verschwommen. Ich will mich erinnern, doch erinnere mich kein Stück mehr. Ich sehe nichts. Nur den Regen um mich herum. Auch spüre ich nichts mehr von ihr, nichts. Nur das Wasser, das meine Wangen hinunterläuft.

(c) MDB (Dexter), 2008

 
   
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